Interface des Gimp 2.3 unter KDE.
Auch wenn die
Version 2.3 des freien Bitmap-Editors
Gimp nicht mehr ganz neu ist und man den
Gimp eigentlich nicht unter "High-end" einordnen kann, möchte ich doch etwas zu dieser neuen Version schreiben, weil ich sie heute kurz angetestet habe.
Neben dem neuen Splash-Screen (die Grafik, die während des Ladens erscheint) fällt zuerst das überarbeitete Interface mit einem neu designten Icon-Set auf, das dem
Gimp einen deutlich "frischeren" Look gibt (die Testversion war unter
KDE installiert). Außerdem wurde die Werkzeugleiste um einige Funktionen erweitert, die im
Version 2.2 noch nicht zu finden waren:
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Die neu gestaltete Werkzeugleiste des Gimp 2.3 (die neu hinzugekommenen Funktionen sind rot umrahmt).
Auch das "Filter"-Menü wurde etwas umorganisiert (wichtig: die Funktion "Schlagschatten" ist jetzt endlich hier zu finden und nicht mehr unter
Script-Fu; die
Script-Fus wurden in den Menüpunkt
"Filter" integriert) und wirkte auf mich deutlich "aufgeräumter" als noch in
Version 2.2:
Das neu gestaltete "Filter"-Menü des Gimp 2.3 (der neu hinzugekommene Menüpunkt ist rot umrahmt).
Ein Punkt, der beim
Gimp bisher leider absolut nicht zufriedenstellend gelöst ist, nämlich das
Textwerkzeug, ist auch in
Version 2.3 nur geringfügig verbessert worden. So kann man den geschriebenen Text jetzt auch an einem Pfad entlang rendern lassen. Das mag sinnvoll sein oder auch nicht (ich verwende für solche Sachen lieber das deutlich flexiblere
Inkscape) - mir persönlich wäre es lieber gewesen, wenn das Textwerkzeug einmal
ganz prinzipiell verbessert worden wäre. (Auf Anhieb fallen mir da z. B.
Photoshop oder auch preiswertere Editoren wie
Paint Shop Pro ein, bei denen der Text zuerst als Vektorebene eingefügt und erst bei Bedarf in eine Bitmap umgewandelt wird. Das hat den Vorteil, daß der Text auch nach dem Eingeben skaliert werden kann. Das Textwerkzeug des
Gimp ist demgegenüber doch sehr - ähem - unflexibel.)
Ein weitere Punkt, der mir negativ aufgefallen ist, ist das nach wie vor noch nicht implementierte, auf der
SIOX-Technologie basierende Freistellwerkzeug.
2 Gerade darauf hatte ich eigentlich schon lange gewartet, denn die Beispiele auf der
SIOX-Website sehen doch sehr vielversprechend aus, und ganz besonders für Leute, die noch nicht so gut mit Pfaden umgehen können, wäre das doch eine große Hilfe.
So stellt sich für mich persönlich die Frage, wo die Entwickler des
Gimp für die Zukunft ihre Prioritäten setzen. Solange jedenfalls solche wichtigen Dinge wie
16-bit Farbtiefe/Kanal,
Farbmanagement und
CYMK-Unterstützung noch nicht verwirklicht sind, wird der
Gimp sein Hobby-User-Image auch nicht loswerden und relativ neue Programme wie das in
KOffice enthaltene
Krita werden dem
Gimp langsam, aber sicher den Rang ablaufen. Dazu kommen noch solche imho völlig unnötigen Features wie das im "Filter"-Menü gut versteckte relativ einfache Vektorgrafik-Programm
'gfig', das bei mir auf der Liste der zu streichenden Features ganz weit oben steht. Das Handling ist jedenfalls so katastrophal, daß so nur unnötig Entwicklerressourcen gebunden werden, die man woanders sinnvoller einsetzen könnte. Auch viele der
Script-Fus (besonders die mit diesen "Glüheffekten") sind meiner Ansicht nach eher Spielereien für Anfänger.
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Summa summarum: Obwohl ich mich mit dem
Gimp nach Erscheinen der weitgehend überarbeiteten
Version 2.0 immer mehr angefreundet habe, sehe ich mich - nicht zuletzt nach dem Erscheinen von Programmen wie
Krita 1.6.1 - immer häufiger nach Alternativen um. Der
Gimp wird nur dann an Boden gewinnen bzw. sich auch im Profi-Bereich etablieren, wenn auch die von mir weiter oben genannten Features implementiert werden, die man von einem Profi-Programm einfach erwartet.
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1 Im
Entwickler-Bereich der offiziellen
Gimp-Site findet ihr eine
Übersicht über die Neuerungen in Version
2.3.x.
2 Der
SIOX-Website nach soll dieses Feature ab
Gimp 2.3.3 implementiert sein. Version
2.3.3 kann zwar schon heruntergeladen werden, läuft aber noch nicht unter "stabil".
3 Wer ganz gezielt bestimmte zusätzliche Filter benötigt, wird evt. in der
Gimp Plug-in Registry fündig. Unter anderem gibt es
dort ein von
Paul Harrison geschriebenes
Plug-in zur Synthetisierung fehlender Bildteile und für sog.
near-regular/irregular textures.
Das sieht dann z. B. so aus:
Images © Copyright by Yanxi Liu at Carnegie Mellon University. Reprinted with permission.
Beachtet bitte den Unterschied zwischen der linken (tiling/gekachelten) und der rechten (near-regular/synthetisierten) Textur. Ich habe dieses Plug-in selbst installiert, und die Ergebnisse sind, wenn man einmal mit den verschiedenen Parametern vertraut ist, wirklich nicht ohne. Man kann neben dem Erzeugen von Texturen auch nicht vorhandene Bildteile synthetisieren. Seht dazu auch die beiden Beiträge
"Klonen ist out" und
"Bildteile resynthetisieren", die ich vor einiger Zeit in meinem Blog
:: artificial :: geschrieben habe.
4 Zur weiteren Entwicklung des
Gimp seht bitte den Artikel
"The GIMP's next-generation imaging core demonstrated" bei
Linux.com. Die bereits 1999 diskutierte Impementierung von
Gegl soll zwischen Version
2.4 und
2.6 erfolgen. Weshalb das nicht bereits viel früher geschehen ist, weiß ich ehrlich gesagt auch nicht.
Ihr könnt euch diesen Beitrag auch als PDF downloaden:
Gimp-23 (pdf, 597 KB). [ Der Screenshot in 72 dpi ist in der PDF-Version momentan nicht mehr enthalten. Ich werde aber noch eine 300 dpi-Version einfügen. ]