Effektives Freistellen von Haaren steht und fällt mit dem in dem betreffenden Foto enthaltenen Hintergrund, und obwohl es für das Freistellen eine ganze Reihe verschiedener Techniken gibt, kann man eben nicht sagen, daß die-und-die Technik "die beste" ist.
Einfachster Fall: ein einfarbiger Hintergrund. Da hilft u. U. schon ein einfaches
"Nach Farbe auswählen". Bedingung ist hier allerdings, daß die Hintergrundfarbe in den "Randzonen" der Haare nicht vorkommt; ansonsten werden die Haare eben teilweise mit ausgewählt.
Eine andere - etwas fortgeschrittenere - Methode ist die, das zu bearbeitende Foto in einen Alpha-Kanal zu kopieren (
"Alles auswählen" und dann
"In Alpha-Kanal kopieren"1). Dann werden alle übrigen Kanäle deselektiert und nur noch mit dem Alpha-Kanal bzw. dem darin enthaltenen kopierten Foto weitergearbeitet. Im
Gimp (englische Version) gibt es dazu die Funktion
"Tools > Color Tools > Threshold..." (auf deutsch heißt das wahrscheinlich
"Schwellwert..."). Über diese Funktion wird das ganze Bild in Schwarz-/Weiß-Werte umgerechnet, wobei über den Schwellwert festgelegt werden kann, welche Bildteile schwarz und welche weiß werden. Das Ziel ist, die Haare schwarz und die übrige Maske weiß zu bekommen. Die fertige Maske wird dann in eine Auswahl umgewandelt und diese auf die - jetzt wieder zur Bearbeitung selektierten - Kanäle (in der Regel
RGB; evt. auch
CMYK oder
L*a*b*) angewandt.
Grundsätzlich ist es wohl - egal, welche Methode man benutzt - das Beste,
ganz zu Anfang - (etwa mittels Pfaden oder dem Lasso) grob die Randzone der Haare und den unmittelbaren Hintergrund auszuwählen, die so gewonnene Auswahl z. B. in einem Pfad zwischenzuspeichern, und dann lediglich mit diesem "kritischen" Bereich des Fotos zu arbeiten. Vorher bzw. nachher muß ggf. noch der Rest der Person freigestellt werden, wozu man u. U. das Pfadwerkzeug nehmen kann. (Ich beschränke mich hier wie gesagt auf das Freistellen der Haare.)
Eine Methode, die ich in meinem
letzten Tutorial beschrieben habe, ist das Freistellen über die
Quickmask, was zwar etwas Geduld erfordert, man auf diese Weise aber sehr genau arbeiten kann, so daß möglichst wenig Details verlorengehen.
Einer meiner Favoriten zum Freistellen (was z. B. beim
Gimp aber leider nicht geht) ist ein sog.
Chroma-Keyer wie
Ultimatte, der viel in der
Post-Production eingesetzt wird, und der so gut arbeitet, daß er sogar - unabhängig von der Hintergrundfarbe (!) -
Schatten mit übernimmt. Das
Ultimatte-Plug-in gibt es z. B. für
After Effects von
Adobe. Es gibt zwar - via
Gimp GAP-Plug-in (
Gimp
Animaton
Package) auch für den
Gimp einen einfachen
Chroma-Keyer, der mich persönlich aber nicht besonders überzeugt. Ich habe da mit einem einfachen
"Nach Farbe auswählen" bessere Erfahrungen gemacht.
Zu guter letzt wäre da natürlich noch (das ist jetzt wieder
Gimp-spezifisch) das neue, auf
SIOX basierende Freistellwerkzeug, das ab dem
Gimp 2.3.3 ins Interface integriert ist. Für den
Gimp 2.2 gibt es
SIOX als
Plug-in, den aktuellen
Gimp 2.3.7 könnt ihr euch bei
SourceForge herunterladen (erfordert
GTK >= 2.8.8).
1 Ich halte mich hier bewußt nicht an die Befehle
eines bestimmten Programms, damit das hier Erklärte auf möglichst viele Bitmap-Editoren übertragen werden kann.