❀ Photoshop für Linux?
Das Interface von Pixel 1.0 (Demo-Version) unter Ubuntu "Breezy".
Gestern, als ich über Technorati nach Posts zum Gimp gesucht habe, bin ich über einen Link auf neues Grafikprogramm für Linux gestoßen, das ich, obwohl ich mich viel mit Grafik beschäftige, bisher noch nicht gekannt hatte. Es handelt sich um den Bitmap-Editor Pixel, und nachdem ich mir die kostenlose Demo-Version (Pixel ist an sich ein kommerzielles Programm) heruntergeladen und installiert hatte, möchte ich hier einmal meine ersten Eindrücke mitteilen.
Nachdem ich mir Pixel (image editor) also als
.deb-Paket heruntergeladen und installiert hatte, war mein erster Gedanke nach dem Starten: Das kommt mir doch irgendwie bekannt vor? Der Grund: Das Interface ist - mit geringfügigen Abweichungen - praktisch dasselbe wie bei Photoshop. Zwar sind die Icons anders gestaltet, aber abgesehen davon stimmt fast alles überein - von der Gestaltung der Paletten bis hin zu Aufteilung der Menüpunkte (seht dazu auch den Screenshot oben).Nun kann man sich auf der einen Seite natürlich freuen: Wow - Photoshop für Linux! Toll! Andererseits ist es doch etwas merkwürdig, auch wenn Pixel mit solchen Features wie einer max. Farbtiefe von 32-bit/Kanal für HDR (Abk. für High Dynamic Range) und Farbmanagement aufwartet.
Nun ist Pixel wie gesagt ein kommerzielles Programm, nachdem alle bisherigen Bitmap-Editoren für Linux Open Source sind. Zwar ist der Einstiegspreis mit USD 38,- für ein Programm mit diesem Funktionsumfang sensationell günstig (danach soll Pixel USD 100,- kosten), aber irgendwie werde ich dieses "komische" Gefühl nicht los. Vielleicht kommt das hauptsächlich daher, daß ich mir meine letzte kommerzielle Software anno 2002 gekauft habe (das war SuSE 7.3 Professional - mein Einstieg in die Linux-Welt), aber etwas mehr Eigenständigkeit würde ich mir bei einem neuen Programm doch wünschen.
So ist mein erster Eindruck von Pixel doch zwiespältig.1 Spätestens mit dem Erscheinen dieses Programms wird aber auch deutlich, daß auf die Gimp-Entwickler schwere Zeiten zukommen. Zusammen mit dem in KOffice enthaltenen Krita und CinePaint gibt es für Linux nun drei Bitmap-Editoren mit Profi-Niveau (wobei CinePaint in erster Linie für das Retuschieren von Film konzipiert ist, sich aber der Aussage von Projektleiter Robin Rowe nach mehr auf die Bedürfnisse von Profi-Fotografen ausrichten will). Erfordernisse von Profis, das heißt: 16- oder sogar 32-bit Farbtiefe/Kanal, HDR, Farbmanagement und CYMK-Unterstützung - alles Features, die der Gimp entweder überhaupt nicht oder allenfalls nur rudimentär bietet. Daneben schlagen für den Gimp noch solche Dinge wie ein sehr unkomfortables Textwerkzeug und ein deutlich verbesserungswürdiges Anti-Aliasing negativ zu Buche.
Alles in allem tut sich bei Software für Linux momentan im Grafikbereich eine ganze Menge, und in Hollywood arbeiten lt. Robin Rowe inzwischen 95% aller Studios mit Linux, das von der Performance und dem Kosten/Nutzen-Aspekt her teilweise sogar besser abschneidet als SGI/Irix.
1 Ich möchte aber hinzufügen, daß die Resonanz auf ein Posting von mir in der cinepaint-users-Mailing-Liste, in dem ich auf Pixel hingewiesen habe, bisher durchweg positiv war. Mindestens zwei User (u. a. auch aus der Mailing-Liste von Inkscape) haben jedoch darauf hingewiesen, daß Pixel 1.0 noch nicht besonders stabil läuft.
Claus - 23. Jan, 23:07

